Schlüsselwörter: Kinderarmut, soziale Exklusion, psychische Gesundheit, Family-Stress-Modell, ökologische Systemtheorie, sozioökonomischer Status
Kinderarmut erhöht das Risiko psychischer Belastungen, doch Einkommen allein erklärt weder unterschiedliche Entwicklungsverläufe noch das subjektive Erleben betroffener Kinder und Jugendlicher. Der Beitrag untersucht, über welche materiellen, familiären, institutionellen und subjektiven Wirkungswege sozioökonomische Benachteiligung die psychische Gesundheit beeinflusst und welche Funktion soziale Exklusion dabei übernimmt. Als Ordnungsrahmen wird ein integratives ökologisches Exklusionsmodell vorgeschlagen, das Bronfenbrenners Systemperspektive, das Family-Stress-Modell sowie Forschung zu Zugehörigkeit und subjektivem sozialem Status verbindet. Die Befundlage spricht für ein wechselseitiges Wirkgefüge, in dem materielle Einschränkungen, familiärer Stress, institutionelle Barrieren und subjektive Erfahrungen von Beschämung, Statusverlust und Nichtzugehörigkeit miteinander verbunden sind. Psychische Auffälligkeiten können soziale Exklusion zugleich verstärken. Für Praxis und Politik folgt daraus, armuts- und exklusionssensible Diagnostik und Behandlung mit institutioneller Unterstützung, materieller Entlastung und sozialpolitischen Maßnahmen zu verbinden.