Aus unserer Reihe: Broschüren

Kröner-Herwig, Birgit

Die Wirksamkeit von Verhaltenstherapie bei psychischen Störungen von Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen

Herausgegeben von DGVT und AVM

2004 , 152 Seiten

ISBN 978-3-87159-817-3

19.80 Euro

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Evidenzbasierung ist eine allenthalben erhobene Forderung in der Medizin. Auch das 1999 in Kraft getretene Psychotherapeutengesetz verlangt eine wissenschaftlich begründete Psychotherapeutenausbildung.

Orientiert an den Kriterien des Wissenschaftlichen Beirats für Psychotherapie legt das Buch differenziert für die verschiedenen Störungsbereiche für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche den Stand der Evidenzbasie-rung der Verhaltenstherapie dar.

In überzeugender Weise kann aufgezeigt werden, dass die Verhaltenstherapie für fast ausnahmslos alle Störungsbereiche eine effektive Behandlung psychischer Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter darstellt.

Der Autorin gelang es, für diese Expertise zur Wirksamkeit der Verhaltenstherapie eine große Anzahl von Experten aus Psychologie und Medizin für die Mitarbeit zu gewinnen.

 

Inhalt:

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeines zur Verhaltenstherapie
1.1 Kurzbeschreibung
1.2 Art des Verfahrens
1.3 Detaillierte Beschreibung Indikationsbereich

1.5 Stand der Theorieentwicklung
1.6 Diagnostik

2 Evidenzbasierung
2.1 Allgemeine Vorbemerkungen zur Methodik
2.2 Therapieforschung bei Erwachsenen
2.2.1 Affektive Störungen
2.2.2 Angststörungen
2.2.3 Belastungsstörungen
2.2.4 Dissoziative, Konversions- und somatoforme Störungen
2.2.5 Essstörungen
2.2.6 Andere Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen
2.2.7 Psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten
2.2.8 Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen
2.2.9 Abhängigkeiten und Missbrauch
2.2.10 Schizophrenie und wahnhafte Störungen
2.2.11 Psychische und soziale Faktoren bei Intelligenzminderung
2.2.12 Hirnorganische Störungen
2.3 Therapieforschung bei Kindern und Jugendlichen
2.3.1 Affektive Störungen und Belastungsstörungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
2.3.2 Angststörungen und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
2.3.3 Dissoziative, Konversions- und somatoforme Störungen und andere neurotische Symptome
2.3.4 Essstörungen und andere Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen
2.3.5 Verhaltensstörungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend und Ticstörungen
2.3.6 Autistische Störungen bei Kindern
2.3.7 Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen, Störungen der Impulskontrolle, Störungen der Geschlechtsidentität und Sexualstörungen, Abhängigkeit und Missbrauch, Schizophrenie und wahnhafte Störungen
2.3.8 Intelligenzminderung, hirnorganische Störungen und Entwicklungsstörungen
2.4 Unerwünschte Wirkungen
2.4.1 Non-responder und Misserfolge
2.4.2 Symptomverschiebung
2.4.3 Ungünstige Nebeneffekte
2.4.4 Abbrechen oder Ablehnen der Therapie
2.4.5 Rückfälle
2.4.6 Schlussfolgerungen
2.5 Kosten-Nutzen-Verhältnis

3 Abschließende Bemerkungen
3.1 Versorgungsrelevanz
3.2 Ausbildung
3.3 Qualitätssicherung
3.4 Fazit

4 Literatur (ohne Originalstudien)

5 ANHÄNGE
A Anwendungsbereiche für Psychotherapie
B Kriterien des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie
C Kriterien der American Psychological Assciation nach Chambless & Hollon (1998)

Vorwort

Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Verhaltenstherapie nach Deutschland importiert. Mitte der 80er Jahre erhielt sie die Anerkennung als Behandlungsverfahren innerhalb der ambulanten kassenrztlichen Versorgung und erlangte schnell den Ruf, bei vielen vormals schwer behandelbaren Strungen rasche Erfolge zu ermglichen. In verschiedenen Bereichen war Verhaltenstherapie bald die Indikation der Wahl, in anderen Bereichen dauerte ihre Anerkennung lnger. Inzwischen gibt es aber kaum einen Strungsbereich, fr den von verhaltenstherapeutischer Seite aus keine wirksamen Interventionen zur Verfgung stehen. Ein Geheimnis der Verhaltenstherapie und mglicherweise auch der Kern ihrer Erfolgsgeschichte liegt in dem forschungsmethodisch relativ puristischen Ansatz: Verhaltenstherapie umfasst demnach Therapietechniken und -methoden, die im Kontext lerntheoretischer und anderer psychologischer Konzepte begrndet sind und empirisch kontrolliert, d.h. nur unter begleitender Wirksamkeitskontrolle, eingesetzt werden. Ganz im Sinne eines positivistischen Ansatzes kamen so immer wieder sehr unterschiedliche Methoden zum Einsatz, die weiterentwickelt und ausgebaut wurden, wenn sie sich als wirksam erwiesen.
hnliche Grundideen prgen aktuell in zunehmendem Mae das gesamte Gesundheitswesen; zumindest im Bereich der vertragsrztlichen Versorgung wird der Anspruch erhoben, dass nur solche Behandlungsmethoden eingesetzt werden, deren Wirksamkeit hinreichend belegt ist das Schlagwort von der evidenzbasierten Medizin (EbM) gibt diesem Anspruch ein modernes Label.
Die Ausbildung von Psychologischen Psychotherapeut(inn)en und von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en ist in Deutschland seit dem Psychotherapeutengesetz von 1998 nunmehr sehr differenziert geregelt. Ausdrcklich wurde und das ist bemerkenswert im Unterschied zu allen anderen Gesundheitsberufen sogar festgelegt, dass nur Inhalte (resp. Verfahren) vermittelt werden, die einen eigenen Prfprozess die positive Begutachtung durch einen eigens eingesetzten wissenschaftlichen Beirat ( 11 PsychThG) durchlaufen mssen, sofern sie nicht aus historischen Grnden akzeptiert sind. Dieses ungewhnlich restriktive Konzept wurde und wird aus verschiedenen Grnden kontrovers diskutiert. Unabhngig von der Bewertung dieses besonderen Prfverfahrens ist das Selbstverstndnis der Verhaltenstherapie jedoch gerade durch den Anspruch der empirischen berprfbarkeit des therapeutischen Vorgehens gekennzeichnet. So dass in der gegenwrtigen gesundheitspolitischen Konstellation als der wissenschaftliche Beirat mit Schreiben vom 6. Mrz 2001 den Fachgesellschaften der historisch anerkannten Verfahren vorgeschlagen hat, Unterlagen einzureichen, die auch fr diese Verfahren die empirische Evidenz belegen sich fr uns die offizielle Gelegenheit bot, diese Nachweise zu erbringen.
Nach einigen Abstimmungsgesprchen mit den brigen Verhaltenstherapieverbnden, die dieses Vorgehen insgesamt untersttzten, haben die Deutsche Gesellschaft fr Verhaltenstherapie und die Arbeitsgemeinschaft fr Verhaltensmodifikation sich entschlossen, eine entsprechende Expertise durch Frau Prof. Dr. Birgit Krner-Herwig erstellen zu lassen. Diese sollte sich an den Kriterien des wissenschaftlichen Beirates orientieren (siehe Anhang A) und geeignet sein, die Erfllung der Anforderungen fr Psychotherapieverfahren zu belegen. An der Zusammenstellung der notwendigen Arbeiten haben viele hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mitgewirkt, ihnen sei ebenso wie der Hauptautorin fr diesen Einsatz sehr herzlich gedankt!
Es ist ein Werk entstanden, das einen breiten berblick zum Stand der empirischen Wirksamkeitsforschung verhaltenstherapeutischer Interventionen bietet, gegliedert und aufbereitet nach den Vorgaben des wissenschaftlichen Beirates. Die Expertise wurde dem wissenschaftlichen Beirat im Sommer 2002 mit der Bitte um Prfung bersandt. Nach einigen klrenden Rckfragen hat der Beirat am 6. Oktober 2003 festgehalten, dass die Expertise die empirische Evidenz der Verhaltenstherapie fr die Psychotherapie bei Erwachsenen und bei Kindern hinreichend dokumentiert.
Mit der vorliegenden Publikation kann die Expertise nun einer breiteren Fachffentlichkeit zur Verfgung gestellt werden. Sie soll die Ergebnisse der psychotherapeutischen Wirksamkeitsforschung im Bereich der Verhaltenstherapie dokumentieren, gleichzeitig aber auch zu kritischer Diskussion anregen und zu weiteren Arbeiten einladen, die sich mit bislang noch ungengend beforschten und unklaren Themenfeldern beschftigen sollten.
Bei eingehenderer Betrachtung des vorliegenden Werkes tauchen fr den kritischen Leser natrlich auch eine Reihe von Fragen auf, von denen einige beispielhaft aufgefhrt werden sollen, weil sie fr die Weiterentwicklung der Psychotherapeutenausbildung und damit auch der psychotherapeutischen Versorgung von Bedeutung sein drften:
Obwohl es international durchaus eine breite Psychotherapieforschungslandschaft gibt, finden sich doch eine Reihe von Strungsbereichen, in denen die Anzahl der qualifizierten Effektstudien durchaus begrenzt ist. Hier ergeben sich unmittelbare Forschungsdesiderata. Wir hoffen, dass diese Themen bei dem gegenwrtig geplanten Schwerpunktprogramm des Bundesministeriums fr Forschung und Technologie zur Psychotherapieforschung entsprechend Bercksichtigung finden.
Die Frage, zu der der wissenschaftliche Beirat nach 11 PsychThG aufgrund eines Gutachtens Stellung nehmen soll, ist die nach der wissenschaftlichen Anerkennung eines Psychotherapieverfahrens. Diese Frage wurde pragmatisch operationalisiert, indem nach der belegten Wirksamkeit in der Psychotherapie bei einer Mindestzahl von Strungsbereichen gefragt wird. Die Bereiche sind wiederum implizit in wichtige und unwichtige differenziert worden, aber sonst weder unterschiedlich gewichtet noch in sich nher ausdifferenziert. Dieses Vorgehen ist zwar ein gewagtes Unterfangen, aber vermutlich auch nur als erster, vorlufiger Zugang zur nheren Bestimmung des Kriteriums wissenschaftliche Anerkennung gedacht.
Das Grundkonzept der berprfung nach 11 PsychThG impliziert, dass die Verfahren nicht kombinierbar, sondern kategorial abgegrenzt sind, und dass sie jeweils beanspruchen, fr Behandlungen beim ganzen Krankheitsspektrum wirksam zu sein. Dieser eigentlich unrealistische Anspruch korrespondiert mit dem beralterten Psychotherapiebegriff der Psychotherapierichtlinien, aber auch mit der Verfahrensbindung der Psychotherapieausbildung nach dem Psychotherapeutengesetz unter wissenschaftlichem Blickwinkel und auch im internationalen Vergleich ein bereits berholtes Psychotherapieverstndnis, welches langfristig einem integrativen Psychotherapieverstndnis weichen sollte, zumal eine Integration verschiedener Therapieschulen in der klinischen Praxis bereits gang und gbe ist.
Viele der in dieser Expertise berichteten Untersuchungen stammen aus dem angloamerikanischen Raum. Hier stellt sich die nicht unberechtigte Frage, wie weit sie auf die hiesigen Versorgungsbedingungen bertragbar sind. Und es stellt sich angesichts des Mangels von alltagsbezogenen Studien (Effectivenessforschung; in der Medikamentenforschung als Phase IV-Forschung bezeichnet) auch die weitergehende Frage, ob die in laborartigen Studien mit teilweise hochselektiven Stichproben gefundenen Ergebnisse a priori auch Gltigkeit fr den Versorgungsalltag beanspruchen knnen. Es gibt beispielsweise wenig Erkenntnisse darber, in welchem Umfang die in den Studien verwendeten bzw. evaluierten Therapiekonzepte (Therapiemanuale) tatschlich in der Praxis verwendet werden und in welchem Umfang sie berhaupt fr das normale Klientel einer Psychotherapiepraxis verwendbar sind. Trotz mancher Bedenken sowie einiger noch ungelster Fragen, halten wir das Bemhen um eine empirisch begrndete und rational strukturierte Weiterentwicklung der Psychotherapieausbildung und der psychotherapeutischen Versorgung fr fundamental wichtig, weil wir keine ernsthafte Alternative zu ihr erkennen knnen. Manche der angesprochenen Punkte werden vorerst auch als Widerspruch bestehen bleiben und stellen damit Herausforderungen fr die weitere Forschung dar. Gerade deshalb freuen wir uns, mit dem vorliegenden Band nunmehr eine umfassende Expertise ber den Stand der Wirksamkeitsforschung der Verhaltenstherapie in den verschiedenen Indikationsbereichen vorlegen zu knnen. Die vorgeschriebene Zahl von erfllten Mindestkriterien ist darin bei weitem bererfllt, so dass der Wissenschaftliche Beirat die Verhaltenstherapie sowohl im Bereich Erwachsenentherapie als auch im Bereich Therapie bei Kindern und Jugendlichen als wissenschaftlich anerkannt bewerten konnte.
Wir hoffen, dass dem Werk eine weite Verbreitung zuteil wird und dass es wichtige Impulse zur bedarfsorientierten Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Effektivitts-, Effizienz- und Effectivenessforschung und langfristig damit auch zu einer Verbesserung der gegenwrtig hufig defizitren psychotherapeutischen Versorgungslage fhrt.

Vorstand der Deutschen Gesellschaft fr Verhaltenstherapie
Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Verhaltensmodifikation

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