Aus unserer Reihe: Reihe 'Fortschritte der Gemeindepsychologie und Gesundheitsförderung'

Röhrle, Bernd (Hrsg.)

Prävention und Gesundheitsförderung Bd. II

2002 , 500 Seiten

ISBN 978-3-87159-608-7

30.00 Euro

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"Prevention and health promotion goes on" - Zwar bewegt sich die präventive Wende in internationalen Gewässern wesentlich schneller und auch gewaltiger, aber wer hätte gedacht, dass schon zwei Jahre nach dem ersten Band "Prävention und Gesundheitsförderung" ein weiterer mit neuen und interessanten Themen, Diskussionsbeiträgen und auch Studien erscheinen kann. Zugleich wird deutlich, dass sich die deutschsprachige Szene in diesem Praxis- und Forschungsfeld auf vielfältigen und neuen Gebieten bewegt. Um nur einige in diesem Buch zu benennen: Prävention von Essstörungen, Scheidungsbewältigung, Förderung interpersonaler Kompetenz, Prävention im Umgang mit Arbeitslosigkeit, neue Vorgehensweisen und Ergebnisse zur Stressbewältigung und Gesundheitsförderung bei speziellen Gruppen und Settings.

Inhalt:

A. Grundsätzliches

Gesundheitsförderung – Ein Blick zurück
Klotter, C.

Gesundheitsförderung durch bürgerschaftliches Engagement
Göpel, E.

Gesundheitsförderung durch Public Health und Gesundheitspsychologie
Haisch, J.

Chancen und Grenzen theoriegeleiteter Präventionsansätze am Beispiel des Transtheoretischen Modells
Keller, S.

B. Vorgehensweisen zur Förderung psychischer Gesundheit und Prävention psychischer Störungen

Hilfen zur Scheidungsbewältigung

Hilfestellungen für Geschiedene als präventive Maßnahmen nach der Scheidung
Bodenmann, G.

Scheidung und Scheidungsbewältigung bei Kindern
Michel, A., Dahmani, S. & Röhrle, B.

Prävention von Essstörungen

Prävention von Essstörungen – Ein Trainingsprogramm für Schulen
Dannigkeit, N., Köster, G. & Tuschen-Caffier, B.

Training sozialer Kompetenz

Ein Gruppenprogramm zur Förderung interpersonaler Kompetenz und Sozialer Unterstützung
Janker, B., Wittenbrink, D., Sommer, G. & Röhrle B.

Stressbewältigung und mehr

Förderung individueller Belastungsverarbeitung: Was leisten Stressbewältigungsprogramme?
Kaluza, G.

Identitätsarbeit und Selbstprojektierung im gesundheitspsychologischen Kontext

Schröder, H.

Prävention von Sucht und Drogemissbrauch

Ergebnisse und Probleme der Suchtprävention
Fischer, V.

Schutzfaktoren und Risikofaktoren in der Suchtprophylaxe
Uhl, A.

Gemeindenahe primäre Prävention von Drogenmissbrauch und Sucht
Fischer, U., Michaelis, T. & Krieger, W.

Arbeit und Arbeitslosigkeit

Betriebliche Gesundheitsförderung und Gesundheitszirkel: Modelle und Effekte
Laireiter, A.-R.. & Meister. M.

Neue Wege in Beschäftigung – Gesundheitsförderung bei Arbeitslosigkeit
Kuhnert, P. & Kastner, M.

Prävention von psychischen Störungen bei Arbeitslosen durch Trainings und Umschulungen
Wieseke, J.

Gesundheitsförderung für spezielle Gruppen und Settings

Beratung an der Gesundheitsfördernden Hochschule
F. Nestmann

Körperliche und geistige Aktivität im Alter – Lebensqualität für ältere Menschen in Greifswald
Wiesmann, U., Eisfeld, K., Hannich, H.-J., Hirtz, P. & Krethlow, W.

Angaben zu den AutorInnen
Index der Schlüsselworte

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Vorwort

Noch vor einigen Jahren war ein erhebliches Forschungs- und auch Publikationsdefizit in Hinsicht auf das Thema Prvention und Gesundheitsfrderung insbesondere im Bereich psychischer Strungen und psychischer Gesundheit zu beklagen (Rhrle, Gler & Sommer, 1995). Mit der Vorlage von Band I Prvention und Gesundheitsfrderung im Jahre 1999 konnte man auf diesem Hintergrund kaum erwarten, dass sich schon ein Band II anschlieen wrde (Rhrle & Sommer, 1999). Umso berraschender die Vorlage dieses zweiten Bandes, der von einer regen und zunehmenden Aktivitt zeugt. Ja, noch viel mehr, ein dritter Band kndigt sich schon an.
Ganz offensichtlich geht diese Aktivitt mit der berzeugung einher, dass es mit der prventiven Wende mit grerer Intensitt vorangehen muss.
Diese Erkenntnis erwchst aus der schlichten Einsicht, dass trotz vieler Verbesserungen im kurativen bzw. therapeutischen Bereich die Zahl der Strungen und Erkrankungen nicht zurckgeht, in manchen Bereichen sogar eher zunimmt (z.B. Depressionen bei Kindern und Jugendlichen, Drogenmissbrauch). In gleichem Mae wird erkannt, dass auch die Risiken zu erkranken einen stabilen oder auch zunehmend bedeutsamen Morbidittsfaktor abgeben (z.B. Beziehungskrisen, Scheidung, Arbeitslosigkeit, zunehmende Alterspyramide, Arbeitsstress etc.). Diesen unbeachtet zu lassen, wre eine strfliche Vernachlssigung sowohl im ethischen als auch im volkswirtschaftlichen Sinne.
Gleichermaen wird erkannt, dass sich prventive und gesundheitsfrderliche Bemhungen nicht auf die Ebene individuell orientierter Manahmen im Sinne persnlicher, kontextfreier Bemhungen um Vernderungen von Einstellungen, Motivationen, Verhalten und Kognitionen beschrnken drfen. Zu deutlich sind die Hinweise, dass zustzlich externe Ressourcen und Widerstndigkeiten bercksichtigt werden sollten. Solche Einsichten werden durch internationale Vergleiche (z.B. USA, Kanada, Australien, Malaysia, England, Finnland, Norwegen, Holland usw.) verstrkt, die deutlich machen, dass sich die Bundesrepublik Deutschland (BRD) trotz aller Bemhungen am Anfang ihrer Anstrengungen befindet (Rhrle, 2001).
Umso erfreulicher ist es, dass entsprechende Aufholbemhungen im vorliegenden Band erkennen lassen, dass wohl bald auch in diesem Lande internationale Standards erreicht werden knnen. Dabei geht es aber nicht nur um eine Angleichung der Forschungsbemhungen an die weltweiten Aktivitten, sondern auch um eine Reform der Politik und Praxis der Gesundheitsfrderung in diesem Lande. Auch diese Bemhungen dokumentiert dieser Band, und es bleibt zu hoffen, dass die verschiedenen Beitrge auch all jene ermutigen, die in den verschiedensten Praxisbereichen versuchen, der prventiven Idee mehr Platz und Bedeutung zu verschaffen. Eine der nchsten Aufgaben wird dabei sein, die verschiedenen Krfte zu bndeln und zu vernetzen zu sog. intersektoralen Bndnissen, Allianzen, Gesundheitskonferenzen u.a.m. Dabei sollte auch die Idee von besonderer Bedeutung sein, eine noch engere Verbindung zwischen Public Health und der Prvention psychischer Strungen und Frderung psychischer Gesundheit herzustellen. Man ist auf dem Wege dahin.
Zunchst aber zeugt der vorliegende Band noch von sehr unterschiedlich gearteten Bemhungen in den unterschiedlichsten Aktionsfeldern. Von daher mag beim Leser der Eindruck entstehen, dass dieser Band sehr heterogen angelegt sei. In gewissem Sinne ist dies der Fall, kann man doch nur das publizieren, was als qualitativ ernsthaftes Unterfangen in der Landschaft produziert wurde. Dennoch wird man erkennen, dass sich eine gedankliches Mosaik auftut, das eine Reihe von Verbindungsmglichkeiten in sich birgt.
Zunchst geht es in einem ersten grundstzlichen Teil darum, das Thema des Buches historisch zu reflektieren und die angesprochene stark individualistische Orientierung der Gesundheitsfrderung unter die Lupe zu nehmen (Klotter). Die Zukunft einer mglichen neuen Form der Gesundheitsfrderung wird auf der Grundlage verschienener Diskurse und philosophischer Linien mit den Ideen eines sehr bedeutsamen Gutachtens fr den Bundestag in Verbindung gebracht. Hier wird vor allem erarbeitet, was an koordinativen Ttigkeiten sowohl konzeptionell als auch politisch notwendig ist, um auch die Herausforderungen moderner gesellschaftlicher Entwicklungen (z.B. Entwicklung einer Zivilgesellschaft) annehmen zu knnen (Gpel). Die auch hierfr notwendige engere, schon eingeklagte Verknpfung von Public Health und (Gesundheits-) Psychologie ist eine dafr notwendige Voraussetzung (Haisch). Etwas thematisch davon abgesetzt wird im transtheoretischen Modell eine andere, aber durchaus auch geschichtliche, zumindest prozessuale Perspektive der Gesundheitsfrderung eingenommen (Keller). Dieser Beitrag ist eine notwendige Ergnzung der Abhandlung verschiedener theoretischer Modelle im Band I. Die folgenden Teile des zweiten Bandes beschftigen sich konkret und auf Forschungsberichten beruhend mit Mglichkeiten der Prvention psychischer Strungen und der Frderung psychischer Gesundheit. Zunchst tut sich das Feld der Scheidungsbewltigung auf, das sich mit zwei Arten von Vernachlssigungen beschftigt. Zunchst geht es um die Tatsache, dass sich trotz der weit verbreiteten Bemhungen, geschiedenen erwachsenen Personen zu helfen, in der deutschsprachigen Literatur seit den 70er Jahren nur wenig getan hat. Deshalb gilt es ber aktuelle Trends und ber eine neue Vorgehensweise zu berichten, welche die Risiken von Trennungen mindert (Bodenmann). In einem zweiten Beitrag zu diesem Themenkreis wird schlicht ber die Effizienz eines bekannten, leicht modifizierten Vorgehens bei Scheidungskindern berichtet. Dies ist insofern bemerkenswert, als die deutschsprachige Forschungssituation trotz der weiten Verbreitung dieses Praxisansatzes als relativ desolat zu gelten hat (Michel, Dahmani & Rhrle). Strker strungsorientiert ist der Bericht ber ein Programm zur Vermeidung von Essstrungen. Hierzu gibt es seit einiger Zeit internationale Forschungsbemhungen, doch in der BRD ist dieser Forschungsbericht der erste, der entsprechende Erfahrungen vorstellt (Dannigkeit, Kster & Tuschen-Caffier). Dabei geht es auch schon um die Bercksichtigung von Kontexten (normativen Einflssen auf das Essverhalten), aber auch um ein entsprechendes Angebot im schulischen Kontext. Eine andere kontextuelle Verbindung geht ein Forschungsbericht ein, der sich um die Frderung sozialer Kompetenzen unter Bercksichtigung sozialer Netzwerke bemht hat. Diesem Beitrag geht das Verdienst zu, dem ebenfalls vernachlssigten Interventionskonzept der Strkung sozialer Kompetenz wieder mehr Bedeutung zu verschaffen (Janker, Wittenbrink, Sommer & Rhrle). Dies geschieht, indem nicht nur an modernen sozialen Kompetenzkonzepten angeknpft wird, sondern auch an der Tradition netzwerkorientierter Interventionen (Rhrle, Sommer & Nestmann, 1998). hnlich bestandsaufnehmend und zugleich zukunftsweisend sind zwei Berichte zur Stressbewltigung. In einem ersten Bericht wird nicht nur eine aktuelle bersicht zu diesem Thema geboten, sondern auch ber lngst berflliges Wissen zu differentiellen Anteilen eines prototypischen, in der BRD weit verbreiteten Programms geboten (Kaluza). Wieder mehr kontextuell verknpft sind die Vorstellungen und Erfahrungen eines Stressbewltigungskonzepts und Vorgehens, das sich auf dem Hintergrund der globalen gesellschaftlichen und damit persnlich bedeutsamen Vernderungen fr die Menschen in den neuen Bundeslndern ergeben hat (Schrder).
Gewissermaen als ideales bungsfeld einer engen Verbindung von somatisch und zugleich psychisch orientierten Form der Gesundheitsfrderung stellen sich Versuche der Prvention von Drogenmissbrauch und -abhngigkeit dar. Hierzu liegen schon zahlreiche Forschungsbefunde vor, die aber nur begrenzt ber eine Verbesserung der Ergebnislagen berichten knnen. Deswegen kommt zwei Berichten in diesem Band eine besondere Bedeutung zu, wenn sie ber verschiedene methodische, wissenschaftstheoretische, aber auch Implementationsprobleme einschlgiger Programme rsonieren (V. Fischer; Uhl). Als erste europische Bemhung, in diesem Bereich eine gemeindeorientierte Vorgehensweise als eine mgliche Verbesserung des bisherigen Vorgehens zu nutzen, kann der darauf folgende Forschungsbericht gelten (U. Fischer, Michaelis & Krieger).

Ein gerade in der BRD hchst vernachlssigtes Handlungsfeld der Prvention und Gesundheitsfrderung ist der Umgang mit Arbeit und Arbeitslosigkeit. In einem ersten Beitrag wird deshalb ber Grundstzliches, ber Mgliches und ber den Stand der Kunst auf dem Gebiet der betrieblichen Gesundheitsfrderung berichtet (Laireiter & Meister). Mit der gleichen Zielsetzung beschftigt sich der darauf folgende Beitrag zum Thema Bewltigung von Arbeitslosigkeit und ihrer gesundheitlichen Folgen (Kuhnert & Kastner). Diesem Beitrag schliet sich wiederum ein Forschungsbericht an, der zu den wenigen in der BRD gehrt, welche die Effizienz von Programmen nachzuweisen suchen, wie sie insbesondere in den USA erfolgreich entwickelt wurden (Wieseke).

Der Band schliet ab mit zwei speziellen Bereichen bzw. Settings, die sich mit den speziellen Problemen und Mglichkeiten der Gesundheitsfrderung an Hochschulen (Nestmann) und fr alte Menschen (Wiesmann, Eisfeld, Hannich, Hirtz & Krethlow) kmmern. Beide zeigen die Notwendigkeiten und Mglichkeiten auf, natrliche Ressourcen zu nutzen. Insofern sind sie deutlich kontextorientiert und stellen somit wichtige Beitrge zur Strkung der Idee einer Verhltnisprvention dar.
So wird der Leser bzw. die Leserin alles in allem eine bunte Vielfalt an Beitrgen zum Thema Prvention und Gesundheitsfrderung kennen und schtzen lernen. Damit wird sich sicherlich immer auch etwas spezifisch Bedeutsames finden, jedoch auch, wie schon angedeutet, bergreifende Ideen: Kontextuelle Perspektiven, theoretische und methodische Neuorientierungen und vor allem auch: gesichertes Wissen.
Dies alles ist zunchst der erheblichen Geduld der AutorInnen zu verdanken, die mannigfaltige Wnsche des Herausgebers zu befriedigen suchten. Nicht zuletzt gilt auch all jenen groen Dank, die sich um die technische Herstellung dieses Bandes mit so viel Engagement bemht haben.

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